Diamant

Der Diamant ist den Menschen seit alten Zeiten als unvergleichlich hart und beständig bekannt. In der hebräischen Bibel erwähnt ihn der Prophet Jeremias unter dem Namen Schamir als Graviergriffel. Die Propheten Hesekiel und Zacharias vergleichen die Hartnäckigkeit der Israeliten mit der Härte der Diamanten. Die Griechen nannten den Diamanten "den Unbezwinglichen": den "Adamas". Diese Eigenschaft führte zur Anerkennung seines Wertes. Plinius

nennt ihn das Wertvollste aller Güter, vermerkt aber auch, dass der Diamant im Volksglauben menschliche Eigenschaften widerspiegelt, vor allem Zuneigung und Abneigung; er galt häufig als Talisman.

Die Unbezwingbarkeit des Diamanten forderte Spekulationen und heidnische Bräuche heraus. Man nahm an, dass ihm Feuer und Eisen nichts anhaben können, eher noch das Blut von Böcken. Man fand auch heraus, dass er sich auf dem Amboss zu Teilchen zersprengen ließ, mit denen ein Steinschneider dann noch das härteste Material gravieren kann.

Es verbreitete sich auch, dass Diamanten und Magnete "im Wettkampf" Eisen freilegen. Man glaubte, der Magnet entgifte den Diamanten und vertreibe so auch den Wahnsinn.

Seit dem 13. Jahrhundert konnte man Diamanten bearbeiten. Dies lehnten aber indische Fürsten ab, weil sie die magischen Kräfte der Diamanten nicht gefährden wollten (den indischen Fürsten folgten in unseren Tagen indische Diamantenhändler, die jetzt auch im Diamantenzentrum Antwerpen die bislang von jüdischen Händlern und Schleifern besetzte weltberühmte Diamantenszene beherrschen).

Dass der Diamant verbrennen kann, war bekannt, wurde aber erst Ende des 17. Jahrhunderts mit Brenngläsern bewiesen. 1773 beschrieb dann Lavoisier, dass der Diamant zu Kohlensäure verbrennt. Der inzwischen weit verbreitete Brillantschliff wurde erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts üblich und mehrfach verfeinert.

Die Diamanten wurden den Menschen immer wertvoller; gerade die größten und schönsten Diamanten haben eine Geschichte voller Geheimnisse und Leidenschaften.

Ein geschliffener Brillant von 0,10 Karat hat einen Durchmesser von 3 mm: der weltweit von den meisten Frauen getragene Edelstein von 0,50 Karat, der Halbkaräter, bringt es auf 5,1 mm, der Einkaräter misst im Durchmesser 6,3 Millimeter und der für die Mehrzahl der Mitteleuropäer schier unbezahlbare Zweikaräter misst 8,3 mm.

Als Super-Diamant gilt der "Cullinan" mit 3106 Karat; er wurde in 105 Steine aufgespalten.

Der in einer südafrikanischen Mine gefundene blauweiße „Excelsior“ galt mit 995,29 Karat lange als größter Diamant; er wurde in 22 Steine gespalten.

Der erst 1972 in Sierra Leone gefundene "Star of Sierra Leone" wurde in 17 Steine gespalten.

Ein Herrscher auf Borneo besaß um 1900 einen noch ungeschliffenen Diamanten von 367 Karat. Der kunstvolle Schliff, der den Diamanten zum Brillant macht, wirkte sich früher weit zehrender aus: Der bläuliche „Großmogul“, den der frühere Schah von Persien besaß, soll roh knapp 780 Karat gewogen haben, geschliffen aber nur noch 280 Karat. Er gilt seit 265 Jahren als verschwunden.

Aus Brasilien stammt der 1938 gefundene "Präsident Vargas" mit 726,8 Karat. Von gleicher gewaltiger Größe (726 Karat) ist der "Jonker" aus Südafrika.

Der älteste und berühmteste Diamant ist der „Lichtberg“, indisch „Kohinoor“. Nach einer indischen Sage wurde er schon vor über mehreren Tausend Jahren von dem Volkshelden Karna im Kampf getragen. Er war mehrfach eine Kriegsbeute. Er soll 672 oder gar 793 Karat gewogen haben, aber ein venezianischer Steinschleifer zerteilte ihn ungewollt; danach soll er nur noch 280 Karat gewogen haben. 1850 gelangte er in den britischen Kronschatz und liegt heute im Tower zu London hinter Panzerglas. Er wog damals 186 Karat und hatte eine ähnliche Form wie der russische „Orlow“. Nach einem Schliff in Brillantform hat sich sein Gewicht auf 106 Karat verringert.

Der „Orlow“ aus dem russischen Zarenzepter Katharinas II. hatte 193 Karat, war sehr rein, aber unzureichend geschliffen. Sein größter Durchmesser betrug 3378 mm, seine Höhe 218 mm.

Zu den schönsten Diamanten wird der gelbliche „Florentiner“ mit 139,5 Karat und einem reich facettierten Briolett- Schliff gezählt. Er soll der größte Diamant Karls des Kühnen gewesen sein. Er hat ihn leichtsinnig 1776 in der Schlacht bei Granson verloren, wurde von einem späteren Schlachtfeldbesucher gefunden und an den Mailändischen Herrscher verkauft, von ihm gelangte er in den Besitz des Papstes Julius II.; zuletzt gehörte er dem Kaiser von Österreich.

Zur russischen Kaiserkrone gehörte auch der „Schah“, der zu einem unregelmäßigem Prisma mit einem Gewicht von 86 Karat geschliffen worden war und die Namensgravuren seiner drei königlichen Besitzer enthielt, darunter den des Schahs Janan. Er wird heute im Kreml bewacht.

Karl der Kühne besaß noch einen sehr reinen Diamanten von 53 Karat, den er in der Schlacht bei Nancy verloren hatte. Auch dieser Stein wurde später gefunden und kam zu dem hugenottischen Edelmann Sancy. Heinrich III. machte ihn zum Gesandten, verlangte als „Pfand“ aber den Diamanten. Der Diener, der das Juwel überbringen sollte, wurde unterwegs überfallen und schluckte den Diamanten herunter. Er wurde ermordet. Nancy ließ den Leichnam öffnen und den Diamanten aus dem Magen herausnehmen. König Jakob II. besaß ihn, als er 1688 nach Frankreich floh. Der Sonnenkönig hat sich später an dem Diamanten erfreut und sein Nachfolger Ludwig V. trug ihn bei seiner Krönung. 1835 wurde er für 500 000 Rubel für die russische Krone angekauft, gelangte aber später in den Besitz eines indischen Fürsten; danach blieb der "Sancy" verschollen.

Der aus einer südafrikanischen Mine stammende „Le Jubilee“ wiegt 239 Karat; Steine um 100 Karat sind in den südafrikanischen Minen öfter gefunden worden.

Der „Stern von Südafrika“ wurde mit 83,5 Karat gefunden, wog geschliffen noch 46,5 Karat und war der Stolz der englischen Herzogin von Dudley.

Als vollkommenster und schönster Brillant galt vor 100 Jahren der „Regent“, den man auch „Pitt“ nannte. Er hat ursprünglich 410 Karat gewogen, nach seinem herausragend gelungenem Brillantschliff aber nur noch 136,75 Karat. Ein Matrose soll ihn an den Gouverneur Pitt verkauft haben; dann wechselte der Besitz zum Herzog von Orléans. Der französischen Revolution entkam der Stein, weil er gerade im Pfandbesitz des Berliner Kaufmanns Treskow war. Jahre später zierte er den Degenknopf Napoleons und blieb danach im französischen Staatsschatz und wird seither im Louvre verwahrt.

Der größte brasilianische Diamantfund war seit der Mitte des 19. Jahrhundert ein sehr reiner Diamant von 254,5 Karat, der nach dem Schliff noch 125,5 Karat wog und als „Stern des Südens“ in die Diamantengeschichte einging – und zu einem indischen Rajah kam.

Einen hinreißend schönen blauen Diamanten von 44,25 Karat besaß um 1900 der Bankier Hope in Amsterdam. An diesem Stein hängt das Gerücht, dass er von dem 67-karätigen blauen Diamanten Ludwig XIV. übrig geblieben ist, als er 1792 gestohlen wurde und seither als verschwunden galt. Das Gerücht behauptet, dass dieser Stein nach einer Teilung zum „Hope“-Diamanten und zu einem weiteren Stein wurde, der im Besitz des Herzogs von Braunschweig war.

Die bayerische Schatzkammer besaß einen blassblauen Diamanten von 40 Karat; ein ebenso großer Stein mit grünlicher Färbung gehörte zusammen mit kleineren gelben und roten Diamanten zu den gesammelten Kostbarkeiten im Grünen Gewölbe zu Dresden.

Farbige Diamanten werden heute "Fancys" oder "Fancy Diamonds" genannt. Die meisten gefundenen Diamanten sind farbig, aber häufig trüb. Reine Farben sind selten und besonders teuer. Die sieben geläufigen Fancy-Farben verdanken ihre Färbung den jeweiligen Inhaltsstoffen: Gelbtöne durch Stickstoffgehalt, braun, rot, grün und pink durch Kristallverunreinigungen, blau durch das Element Bor.

In der Anfang 2006 im Londoner Natural History Museum gezeigten Sonderausstellung "Diamonds" war der über 5-karätige tiefrote "Moussaieff Red" einer der Superlative - neben dem fast 60-karätigen rosafarbenen "Steinmetz Pink", dem blaugrünen "Ocean Dream" und dem riesigen gelblichem, tropfenförmig geschliffenem "Orange Flame" und dem "Unvergleichlichen", dem "The Imcomparable Diamond" der 407 Karat wiegen soll.

Die farbigen Diamanten waren in der Londoner Ausstellung nur eine kostbare Umgebung für den größten als völlig makellos bezeichneten Diamanten, den 203-karätigen "De Beers Millenium Star".

Die spektakuläre Schau regte viele Besucher auch ungewollt an, über die aktuellen Umstände der Diamantenförderung z.B. in Botswana, der Zentral-Kalahari und dem Kongo nachzudenken und über die nicht zu leugnende Tatsache, dass die Erlöse der Diamantenfunde meist keineswegs einem wachsenden Wohlstand der einheimischen Bevölkerung helfen, sondern nur den Regierungen, den Rebellen-Chefs oder den beteiligten Firmen.